22
2009
Busunglück in Radevormwald
Die Gegend unten an der Wupper scheint unter keinem guten Stern zu stehen. Neben einem schweren Zugunglück wird die Gegend nun von einem weiteren schweren Unfall getroffen. Heute Mittag, so geht es derzeit durch die lokalen Medien, ist ein Bus im Bereich des Wuppermarkts in Radevormwald die Böschung hinab in die Wupper gefallen. Es soll zu Toten gekommen sein, die Wuppertalstraße ist gesperrt. Man hört Hubschrauber und Sirenen.
Ein Anruf bei Verwandten die dort unten ganz in der Nähe wohnen, und auch häufig die Buslinie nutzen, endete in einem Besetztzeichen – das beruhigt schonmal! Und auch wenn dem Fotografen in mir die Hände kribbeln, so verbietet es mir doch die Pietät, mich derzeit aufzumachen!
Update: Gerade durchgekommen, die Verwandten sind wohlauf!
Update 2: Jetzt erklärt sich auch, warum gegen 12:00Uhr stadtweit die Dachsirenen liefen. Ich habe es zunächst für einen technischen Defekt gehalten.
Update 3: Drei Tote, vier Tote, fünf Tote? Höchstens? Mindestens? Hoffentlich? Schrecklich, wie sich etablierte Medien übertrumpfen wollen, ohne dass es bislang wirklich gesicherte Zahlen gibt.
Update 4: Von kompetenter Stelle wurde mir gezwitschert, dass die Gaffer sich wie Ratten an der Wupper sammeln.
Update 5: Es war nun nach gesicherter Erkenntnis ein Linienbus, konkret die 626 Richtung Radevormwald. Dieser passiert um 11:42Uhr die Unglückstelle.
Update 6: Fernsehsender will Kontaktdaten – abgelehnt!
Update 7: Verwandtschaft saß nun definitiv im verunfallten Bus. 2 Stationen zuvor ausgestiegen - ein paar hundet Meter vom Unglücksort entfernt. Das macht nachdenklich!
Update 8: *bingbong* Fernsehsender steht vor der Tür, 20:45Uhr - Nein, nach wie vor keine Angabe! Trotzdem freundlicher Mann…
Update 9: Die Zahlen stehen fest. Zwölf Personen waren im Bus. Fünf sind ums Leben gekommen, sechs verletzt, einer schwer.
Abschluß: Ich habe die ganzen Zeitungsberichte, die mein Vater damals vom Zugunglück gesammelt hat, schlagartig wieder vor Augen. Der Schienenersatzverkehr hat nun auf gleicher Strecke erneut Todesopfer gefordert. Da hat mich die Gegenwart eingeholt. Bereits seit einiger Zeit schreibe ich immer mal wieder sporadisch an einem Artikel zum damaligen Zugunglück, und habe bereits auf dem Friedhof, als auch an der ehemaligen Unglücksstelle Fotos gemacht. Zum vierzigsten Jahrestag wollte ich ihn veröffentlichen. Jetzt, “kurz davor”, erlebt Radevormwald erneut ein schweres Unglück - erneut auf der Wuppertal Strecke.
Und doch ist ein direkter Vergleich in meinen Augen sehr vermessen, denn beim Zugunglück starben 41 Schüler aus der Mitte Radevormwalds. Die mediale Konstruierung, Radevormwald erlebe einen Schock wie 71, halte ich für maßlos überzogen!



Kommentar by Tetti - 22. September 2009 um 17:09Uhr
Was macht dich nachdenklich?
Wären sie nicht ausgestiegen, so wäre womöglich nichts passiert. Wer weiß es?
Kommentar by Marco - 22. September 2009 um 18:46Uhr
“Was macht dich nachdenklich?”
… ,dass Leben befristet ist und sich nicht zwangsläufig an biologisch vorgegebene Ablauffristen hält?
.., dass man die Existenz von wichtigen Menschen als selbstverständlich hinnimmt, bis sie einem entrissen werden?
…, dass KEIN Sinn hinter allem steckt?
…, usw.
Kommentar by Jochen Müller - 23. September 2009 um 08:44Uhr
“Was macht dich nachdenklich?”
In solchen Situationen denken Menschen viel nach. Erst recht, wenn sie einem Ereignis nahe stehen. Und das ist gut so (dass sie nachdenken).
Kommentar by admin - 23. September 2009 um 12:21Uhr
@Tetti: Wir haben hier in Radevormwald an ähnlicher der Stelle bereits ein unverdautes Unglück. Damals gab es noch keine Seelsorge, und (Kinder) Leichen wurden per LKW abgeholt. Jene Verwandtschaft hat bereits vor 38 Jahren alles hautnah miterlebt. Nun, in hohem Alter erneut. Eine weitere Verwandte, ebenfalls in mittlerweile gesetztem Alter, nutzt jeden Mittwoch Mittag exakt diesen Bus. Ich bin vor einiger Zeit an dem Denkmal am Friedhof gewesen, und für mich, der ja quasi nur “eingeheiratet” ist und erst in den letzten Jahren überhaupt mit Radevormwald zu tun hat, war es schockierend, so viele bekannte Nachnamen zu lesen.
Es ist für mich weniger das Unglück jetzt, sondern die Idee eines Zustands, der 71 vorherrschte, der mich mitdenken lässt!
Kommentar by die Schwester - 23. September 2009 um 12:56Uhr
- der ja quasi nur “eingeheiratet” ist und erst in -
das macht mich nachdenklich!!!
Kommentar by nik - 23. September 2009 um 12:58Uhr
Das Unglück war heute auf dem Titel aller “bekannten” Zeitungen im Umkreis. Sogar im Panorama der SZ ziemlich groß. Seltsam wenn etwas so nahe ist. Beklemmendes Gefühl. Bei euch sicher noch mehr.
Kommentar by admin - 23. September 2009 um 13:11Uhr
@Schwesterherz: Man beachte die Anführungszeichen!
@nik: Ich glaube, um mich mal auszunehmen, es ist weniger das gestrige Ereignis, dass zumindest familiär ja ein glückliches Ende hat, sondern die Erinnerung an 71, die hochkommt.
Kommentar by Adin - 24. September 2009 um 12:14Uhr
Ich fahre regelmäßig mit der 626 … gut das ich am dem Tag nicht fahren musste. Hab mit ein paar Leuten gesprochen die direkt dabei waren … waren ziemlich verstört … musss ein furchtbarer Anblick gewesen sein.
Kommentar by Elke - 24. Oktober 2009 um 20:44Uhr
Es ist schon traurig,das die Erwachsenen Ihre Kinder zu der Umglücksstelle mitnahmen.Gibt es nichts anderes was man Kinder heute zeigen kann.
Ich habe meine Kinder mit in den Zoo genommen zum Ausflug,aber nicht sich solcher Tragödige anzusehen,ich denke das dieses auch nicht all zu pedagogisch sein kann!