Ist noch etwas Suppe da?

Ülfebad Radevormwald - jetzt aber!
Ülfebad Radevormwald - jetzt aber!

Wer einen Beruf sucht, in dem man ordentlich verköstigt wird, der muss nicht zwingend Koch werden. Es reicht ein staubig anmutender Job im Amt – genauer im Bauamt. Gerade erst wurde der Startschuß für die Planierung und Bebauung der Loh’schen Weide in Radevormwald mit „Wohneinheiten“ mit dem ersten Spatenstich besiegelt und mit einem Mittagsmahl gefeiert, da liest man schon wieder von mittäglicher Beköstigung – diesmal Gulaschsuppe am Ülfebad. Ülfebad… da war doch was?

Es ist erst einen Wimpernschlag her, da hatte der Heimatverein über 100.000€ aus privaten Quellen sich zusammenspenden lassen müssen, um die alte Ülfebad-Brücke zu sanieren bzw. nach Demontage der alten Brücke gegen eine komplett neue Brücke ersetzen zu lassen. Für diese nach Radevormwalder Maßstäben mittlerweile zum „Peanuts-Betrag“ verkommenen Ausgaben, so hieß es, hatte die Stadt Radevormwald kein Geld. Das Geld stecken wir lieber in andere Brücken. Halt halt, hier gibt es ja Fördergelder! 

Das Ülfebad behielt also ihr Wahrzeichen, welches längst ein Wahrzeichen für Radevormwald ist. Denjenigen, die wir mit unserem Kreuz damit beauftragt haben in unserem Sinne zu handeln, haben wir das aber nicht zu verdanken. Vermutlich war gerade Mittag oder sie ziehen (mutterseelenalleine) eine Runde im Life-Ness?

Doch jetzt kommt der große kleine mediale Umschwung – einmalig, letztmalig. Die Ironie beiseite legend muss man konstatieren, dass man sich wirklich nette Dinge für das Ülfebad überlegt hat. Eine angespannte finanzielle Situation, nicht zuletzt aufgrund der Wülfing-Brücke, dem Wülfing-Museum, dem Life-Ness und den wegbrechenden Einnahmen geschuldet, wird daraus aber nur ein kleines Aufbäumen.

Und so darf sich jetzt der Inhaber des Ülfebad-Restaurants (die mit der Internetseite, deren Schriftart eine wahre Wonne ist) freuen, dass die Stadt Radevormwald direkt vor der Haustür ihr Gelände verschönert. Mit Fördermitteln versteht sich! „Das Ülfebad soll (noch) schöner werden“ titelte der rga. Das meisste daraus wird leider mangels angespannter Finanzsituation nicht realisiert. „Nur noch lebensnotwendige Ausgabe“ sagte der Bürgermeister. Für das Life-Ness z.B…. Aber immerhin die Liegewiese bekommt der Restaurantinhaber nun vor die Tür gesetzt! Super! Genau darauf haben alle im Ülfebad jahrelang gewartet – sich schön hinter den Auspuff seines PKW legen und auf das Ülfebad und die Ampelanlage schauen – freigeschnitten für einen guten Blick ist es ja! Denn das Ülfebad sei „eine der reizvollsten Landschaften der Stadt„. Schon klar! Und alles wird vom Land gefördert!

Insgesamt bekommt man, nicht nur in Radevormwald, das Gefühl, dass Fördermittel, Landes- und EU Gelder vom Himmel fielen, und keine Steuermittel wären. Kommunen bauen lieber eine 60t Brücke für 3,5Mio€ wenn hier die Eigenleistung kleiner ist, als eine ausreichende Brücke für 350Tsd € mit höherer Eigenleistung. Das wird dann auch noch wortreich in der lokalen Presse verbreitet, dass es ja Fördermittel sind, die den Bau ermöglichen, und Radevormwald das ganze kaum Geld kostet. Geld zweiter Klasse.

 

Fördermittel fallen vom Himmel! Hirn könnte es dem Geld mal gleich machen.

2 Antworten auf „Ist noch etwas Suppe da?“

  1. Die unterschiedliche Bewertung von Steuergeldern durch Politiker wundert mich ebenfalls immer wieder. Hier in meinem Heimatdorf hat sich der Amtsveterinär ISO 9000 zertifizieren lassen. Auf meine Frage, ob dies keine Verschwendung von Steuergelder wäre, kam als Antwort (die lokale Presse recherchierte), dass diese Aktion sehr preiswert gewesen sei. Außer Fahrt- und Übernachtungskosten wären keine weiteren Aufwendungen angefallen. Die Mittel hätte die EU gestellt.

    Die Stadt tritt derzeit mindestens ein Hallenbad an einen gemeinnützigen „Privatmann“ ab, da sie kein Geld mehr für den Unterhalt, die Sanierung hat. Der Käufer beabsichtigt, das Land NRW an dem Umbau zur der Wellness-Oase zu beteiligen.

  2. Der Parkplatz unweit vom Ülfebad im unteren Teil der Mühlenstraße war ja seinerzeit auch nicht ganz preiswert. Hätte man auch kostengünstiger realisieren können.

    Das ganze war ein sechsstelliger Betrag und wurde damals aus „Haushaltsübeschüssen“ finanziert.

    Für solche Dinge o. ä. scheint bei uns im Dorf immer Geld da zu sein.

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