Selbstgespräch unter 8 Augen

Bismarckwerk Radevormwald
Bismarckwerk Radevormwald

Mr. X: Hallo Herr Albrecht. Ich habe gehört, es gibt ganz in der Nähe ihres Oberbergischen Zentrallagers, wo die örtliche Politik für sie ja auch gerade die Grünflächen, die bis dato intensiv zum Freizeitsport genutzt wurden, klar gemacht hat, eine Ortschaft, wo jetzt gerade neue Häuser entstehen. Ihre ganzen LKW kleben durch die Wohngebiete hindurch ohnehin bereits jeden Tag den Feinstaub an die Fassade. Außerdem wurde unweit davon vor kurzen bereits auf der anderen Straßenseite kräftig gebaut. Auch sonst wohnen da sowieso schon viele im Dichter- und Denkerviertel. Viele viele Käufer. Wäre das nichts für Sie?

Herr Albrecht: Das ist eine gute Idee. Aber gibt es da auch noch Platz für mich? Und wie sieht es mit der Konkurrenz aus?

Mr. X: Das ist eine weitere gute Nachricht. Vor einigen Jahren ist ein Fitness-Studio in ein ehemaliges Küchen-Studio gezogen. Das alte Gebäude des Fitness-Studios ist ein ganzer Komplex. Damals wurden da Fahrräder für die Holländer produziert, später Nähmaschinen. Das Gelände steht weiträumig leer, 2000qm hat man da schon Platz. Für den ganzen Einzugsbereich gibt es nur ein Kiosk. Ich weiß auch nicht, warum.

Herr Albrecht: Vielen Dank für die Informationen. Ich werde mal Dr. K. anrufen.

TUUUT

Herr Albrecht: Hallo Dr. K., hören Sie? Ich habe gehört, es gibt in ihrem Kaff schon wieder ein Neubaugebiet, und die größten, zusammenhängenden Wohnsiedlungen Ihres Kaffs haben bis auf ein Kiosk überhaupt keine Nahversorgung vor Ort? Gerade durch die Alterung der Bevölkerung ist das schon schwierig, oder? Der Nahverkehr ist verständlicherweise ja auch nicht gerade Fünf-Minuten-getaktet. Aber da gibt es doch noch das alte Fahrrad-Werk, welches leersteht und ziemlich zentral von den Wohngebieten umgeben ist. Ich würde dort gerne ein Geschäft eröffnen. So wie beim Wuppermarkt, verstehen?

Dr. K.: Oh je, gestalten statt verwalten? Das geht über wohl über meine Kompetenz. Aber ich starte einfach mal einen Arbeitskreis, oder frage mich mal in anderen Instanzen um. Das hat sich immer bewährt. Immerhin wurde ich ja auch kürzlich im Amt bestätigt. Dann kann ich mich wieder hinter Höherem verstecken. Sie hören von mir.

Beraterstab zu Dr. K.: Nein, also das geht nicht. Wir wehren uns auch mit Händen und Füßen gegen IKEA in Wuppertal. Damit alle brav in die verstaubten Möbelgeschäfte im Tal gehen. Machen die bestimmt! KRKRKRKRKR Was? KRKRAAKRK A46? IKEA Zubringer für Mittdreißiger des Bergischen Lands? Wie? Irgendwas knackte gerade im Höhrer. Egal: Also Einzelhandel in Bergerhof geht gar nicht. Nicht, dass der über jeden Zweifel erhabene Innenstadt-Einzelhandel weiter geschwächt wird. Die sind unverschuldet schon so arm dran. … Wo kommt denn jetzt der Ostermann LKW her? … Wenn jemand fragt, kommen sie mit schlauen Floskeln. Hier haben wir eine für Sie: schädliche Kaufkraftverlagerung.

DINGDONG

Beraterstab zu Dr. K.: Ich muss schnell auflegen. Die Post klingelt, mein Amazon Paket kommt an.

Dr. K. zu Herr Albrecht: Nee, ich glaube das wird nichts mit dem Einzelhandel in Bergerhof. Alle außer mir sind dagegen. Ich würde ja so gerne, aber ich bin ja meinem Einzelhandel in der Innenstadt verpflichtet. Außerdem haben wir in Bergerhof für tausende Bürger ja schon eine KFZ-Bude, das besagte Kiosk, und ein Outlet für Übergrößen. Das muss reichen. Nicht, dass noch mehr Kaufkraft aus der Innenstadt abzieht. Aber vielleicht in der Blumenstraße? Es wurde alles darangesetzt, die nötigen Kapazitäten zu schaffen. Gut, der Bürger zuckt noch ein wenig. Aber wem gehört hier die Stadt, oder? Hehe, Bürgerbegehren sind lästig genug ausgerichtet, da hat sowieso keiner Bock drauf. Tut mir leid, gerne hätte ich bei der Eröffnung meinen Hofberichterstattern wieder mein Grinsen gezeigt. Habe ich vom Platzeck geklaut…

Beraterstab zu Dr. K.: Außerdem lässt sich mit der Blumenstraße auch ein besserer Preis erzielen. Schließlich will ich weiter in Ruhe an der Kottenstraße meine Bahnen ziehen. Und warum zu Fuß zum Einzelhandel, wenn gleichzeitig auch noch Spritsteuer einzunehmen ist. Und wenn die Hunger haben, können die doch zum alten Bahnhof gehen – oder in eine ranzige Pommesbude mit den 100 KG Fleisch hinter der Theke. Und erst das Essen…

Herr Albrecht: Vielen Dank für die Informationen. Wir bauen einfach noch eins in Hückeswagen. Herr U. hat gerade angerufen. Der hat ein anderes Verständnis von freier Marktwirtschaft und Verwaltung. Kennen sie bestimmt noch von den Bauhof-Verhandlungen. Ich habe zwischenzeitig auch mit Herrn R. gesprochen. Woolworth nehmen wir einfach mit.

Dr. K.: Aber das Zentrallager bleibt? Ich habe allen Medien erzählt, dass über 100 Arbeitspläze da dran hängen!

Herr Albrecht: Und das hat man ihnen so abgekauft? Keiner der lokalen Medien hat da wirklich mal nachgehakt? Lagerwirtschaft ist schon sehr angenehm geworden in den letzten 20 Jahren… Nein, das Lager bleibt.

Dr. K.: Hach ja, die Hofberichterstatter. Mit dem Arbeitsplatzargument bekomme ich auch die größte Stinkmorchel verkauft. Juckt doch eh keinen.

Herr Albrecht: Ja ja, ich sach, nee nee. Hauptsache gesund!

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