Vom nix gebacken kriegen

Luftbild Remscheid Hackenberg
Luftbild Remscheid Hackenberg

Jaja, kriegen sacht man nicht und nix heißt eigentlich nichts, und „sach“ heißt noch immer sagt. Ich fange von vorne an: Vom nichts gebacken bekommen. Das klingt aber überhaupt nicht mehr knackig. Wass’n los hier?Wer sich darstellen möchte um für andere interessant zu werden, sollte seine Identität wahren und zeigen ohne aber seine Seriosität auf halber Strecke im Matsch verloren zu haben. Das ist für mich in mancher Hinsicht der Grund, warum man hier „nix gebacken kricht“. Nun betreibe ich mit eher mehr als weniger Freude ja eine Website zur Müngstener Brücke, welche ich mit gewisser Stringenz Die Müngstener Brücke genannt habe. In den Jahren des Betriebs tauchen von mich kontaktierenden Reisegruppenführern von Jugendgruppen bis Seniorentreffs einige Fragen immer wieder auf:

1.) Darf man über die Brücke gehen?
2.) Machen Sie Führungen?

Und wenn sie wieder daheim sind im Nachgang:

3.) Warum verdammte Scheiße ist die Kackbrücke nicht anständig ausgeleuchtet wie jedes einfältige Denkmal eines jeden Mistkaffs rund um den Globus bis mindestens 22 Uhr auch?

Frage drei lässt mich auch immer wieder ein wenig im Schreibtischstuhl zusammensacken. Ja… warum eigentlich? Denkmal von nationaler Bedeutung ist es geworden. Warum überhaupt so spät? Warum erst, als die Bahn es schon abreißen wollte? Warum ist man auf Schloss Burg erst als die Kohle mal wieder knapp wurde auf die Idee gekommen es zu eben jenem Denkmal mit nationaler Bedeutung zu machen? Ist das ein regionales Problem?

Fernab der Hattinger Linie (für die Unpatriotischen: Das habe ich nur eingestreut weil es a) stimmt, und b) durch den Mord 1225 an Graf Engelbert von Berg in Hattingen doppeldeutigen Bezug hat), wo zusammengeharktes Laub schon als topografische Erhebung kartografiert wird, verschlug mich mit Zufall und Notwendigkeit die Liebe hin. Notwendigerweise sind Anvertraute nicht nur an mir, sondern auch an der Region interessiert wo er herkommen möge. „Wo mag er wohl herkommen?“ Ich bin ausreichend patriotisch veranlagt und historisch beschlagen um über meine Heimat, mein Bergisches Land, endlos zu monologisieren und mit gewisser Begeisterung über Industrialisierung, die Wupper, viel lieber noch den Eschbach oder Unterburg zu schwadronieren. Von Tonschiefer und Wasserkraft, von den berühmten 5 Minuten die man höchstens benötigt um von jedem Punkt aus in der Natur zu sein – und nicht in angelegter Natur mit sauber geharktem Kies, sondern Natur wo man sich schnell auf die Schnauze legt wenn man mal wieder vergessen hat das richtige Schuhwerk anzuziehen. Schlussendlich habe ich dann auch noch eine Ausstellung vorzuweisen an dessen Begleittext mich zu bedienen mir wieder und wieder offene Münder beschert. „Was, die II Industrialisierung begann in Deutschland im Bergischen Land?“, „Wie, Deine Vorfahren haben schon auf Stahl gekloppt als im Ruhrgebiet noch Ackerbau und Viehzucht war?“, „Was, Erfurt Rauhfaser kommt gar nicht aus Erfurt sondern von der Wupper?“, „Was, der Jakobsweg gehört in Teilen zu Deiner Heimat-Fahrradroute?“ usw. Die Liste ist wirklich endlos.

Wie es nun der Zufall will liegt das Bergische Land auch noch zentral in NRW und bildet einen grünen, artenreichen und topografisch vielseitigen Puffer zwischen dem Rheinland mit ihren zwei großen Metropolen sowie dem Ruhrgebiet mit ihrer Endlos-City. Und doch ist bei all meinem Bemühungen Menschen für meine Region zu begeistern immer das Messer aus Solingen im Rücken. Nur scheinbar doppeldeutig lustig. Irgendwie wirkt es immer etwas muffig, nicht so richtig gastfreundlich. Da passt es in das Bild dass die Müngstener Brücke eben nicht beleuchtet ist, oder dass man 2,5 Millionen Besucher die geschätzt das neue Design Outlet Center in Lennep bringen könnte mehr als Gefahr gesehen werden könnte denn als Chance. Man kaut lieber auf dem Knochen und wundert sich dass das Tier morgen nicht wieder quicklebendig mit den Hufen scharrt. Klar ist es woanders noch schlimmer, aber das ist ja keine Auszeichnung. Kürzlich war ich in Winterberg und es ist eine Laune der Natur dass da das Geld vom Himmel fällt bzw. fiel bis wir auf die Idee kamen dreimal im Jahr in den Urlaub fliegen zu müssen. Doch wirkte es irgendwie aus einem Guß. Sowas ist hier gar nicht zu erreichen und darüber hinaus, und darum geht es, gar nicht erstrebenswert. Denn es ist gerade das Individuelle, was die Region auszeichnet. Ist das nicht auch touristisch verwertbar? Statt dessen versucht man auch für das Bergische einen großen Nenner zu finden und, oh wunder, findet das Grün. Als ob es so viele Grasfresser geben würde die nur darauf warten ordentlich zubeißen zu können.

Es ist immer interessant wenn man von außerhalb hört, was sie mit dem Bergischen Land interpretieren, wenn sie noch nicht da waren. Natürlich ist man enttäuscht wenn Naturareana und Co. um grüne, bergige Webseiten bemüht sind, und dann kommt man nach Remscheid und sieht eine industriell geprägte Stadt mit einer Vielzahl unterschiedlichster Nationen die alle um Verwirklichung bemüht sind. Und die Schwebebahn fährt auch nicht über grüne Wupperauen sondern an Chemiewerken vorbei. Bekanntlich ist Remscheid eine der grünsten Großstädte und jeder Einwohner kennt seine Naherholungsgebiete, doch ist es doch gerade diese Kombination die es ausmacht. Man kann im Bergischen erfahren, entdecken und erholen. Das Angebot ist eigentlich mannigfaltig – oder könnte es sein – wenn man weiß wie und wo. Doch beschränkt man sich auf den Grünfaktor. Und bei den unzähligen Fahrten durch das Münsterland, wo sich ein Feld an das andere reiht und sich schnell eine gewisse Maislangeweile einstellt komme ich immer wieder zur Erkenntnis, dass das einfach nicht reicht den grünen Charakter vor sich her zu tragen, und dass es die Abwechslung ist, die man hier so schätzt. Zumindest geht es mir so. Grün können andere auch. Und wenn man dazu noch Berge will kann man zur Naherholung noch besser ins Sauerland oder die Eifel.

Weil es nun mal mehr als grün gibt und ich mir jetzt einige Jahre frustriert angeschaut habe was die mit vielen Steuergeldern finanzierten Tourismusförderprogramme so auf die Beine stellen habe ich nun den Entschluss gemacht mein eigenes Ding zu machen. Dass man mir an den Lippen hängt wenn ich von meiner Region erzähle durfte ich oft genug erleben. Wäre doch gelacht eine Website ins Netz zu rülpsen die das Bergische Land zeigt wie es eigentlich ist: ambivalent und nicht geleckt wie eine Imagebroschüre, und genau deshalb liebreizend.

2 Antworten auf „Vom nix gebacken kriegen“

  1. Hallo Armin,

    reiner Zufall, dass ich über eine Recherche zur Kammgarn Siedlung auf Deine Seite gekommen bin. Gefällt mir sehr sehr gut! Auf meinen Exkursionen entdecke immer wieder Neues im schönen Bergischen aber auch angrenzenden Oberbergischen. So verschlug mich mein letzter Spaziergang eben mal wieder durch erwähnte Siedlung zum Forsthaus Westerholt (wo ich noch niemals zuvor war), daher der Informationsbedarf.
    Ich stimme zu, so schön und abwechslungsreich wie bei uns ist es kaum zu finden – trockener vielleicht schon. Und auch die Geschichten die man an dem einen oder anderen Tresen hört sind sehr unterhaltsam.

    Wünsche viel Erfolg bei der angesprochenen Webseite -Stoff genug gibt´s in jedem Fall.

    Alles Gute
    Dirk

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