Wenn der Jörges mit der Lanze

Man könnte auch schreiben: Der Mord fiel aus. Da versuchten sich Markus Lanz und Hans-Ulrich Jörges, beides Vertreter des Schlages Medienmacher die sich über die Diskussionskultur im Netz prima echauffieren können, an einem Tribunal an Sarah Wagenknecht. Lanz, der ohnehin wieder und wieder unter Beweis gestellt hat eine Diskussion nicht moderieren zu können ist da als offensichtlicher FDP Anhänger ein willfähriger Steigbügelhalter für Jörges, einer der vielen Chefs der vierten und wichtigsten Gewalt im Staat – der Publikative – welcher Lanz manchmal auch gerne angehören möchte. Doch reicht es nur für Yellowpress.

Der Schuss ging nach hinten los. Allzu offensichtlich trat zu Tage worum es beiden Protagonisten im Umgang mit Sarah Wagenknecht ging: An die Wand stellen. Nicht mal argumentativ. Doch wurde die Lunte gerochen und Tage später findet man eine Petition auf der mittlerweile (Freitag, den 24. Januar kurz nach Mitternacht) über 150.000 Zeichner die Absetzung Lanz‘ fordern. Muss man nicht, kann man aber sehr gut verstehen. Dass Fass, wie die Initiatorin Maren Müller beschrieb, ist einfach übergelaufen. Es ist ja bei weitem nicht das erste mal in der Lanz den Leuten über den Mund fährt und Wörter oder ganze Sätze die er gerne manifestiert wissen will seinen Gästen in den Mund legt. Es ist nicht das erste mal dass er Ja/nein Bekenntnisse zu komplexen Zusammenhängen sucht die nur schlichte Gemüter so geben könnten.

Und wäre das nicht verräterisch genug, legt Hans-Ulrich Jörges in seinem Video-Zwischenruf noch einen drauf und schreibt schon im Begleittext unverholen, dass „Kritik an der Ikone Sahra Wagenknecht tabuisiert werden“ soll. Nicht im Traum denkt er daran dass sein eigener, und der Gesprächsstil Lanz‘ Stein des Anstoßes sein könnte, weil der Kasperverein die Frau nicht mal ausreden lassen kann, und, wie Stefan Niggemeier schreib, sich Sarah Wagenknecht partout nicht in seinen Sandkasten knien wollte um auf seinem Niveau zu diskutieren. Die Sendung erinnerte nicht zufällig an Kerners Sendung mit Eva Herman erinnert, oder Lanz‘ Sendung mit Mr. Dax Dirk Müller, an die Sendung wo Bernd Lucke von der AfD zu Gast war, oder auch die mit Serdar Somuncu. Unbequeme Dinge der Kirche möchte der Messdiener auch lieber nicht hören. Es hat also Methode nicht Meinung zu hören, sondern Meinung zu machen und dem braven Gebührenzahler kurz vor dem Schlafengehen als Gute-Nacht-Kuss mit auf den Weg zu geben.

Jörges ist sich dann auch nicht zu schade seine Videobotschaft-Nachlese damit zu beginnen zu behaupten „im sozialen Netzwerk wäre der Teufel los; besser gesagt die Linke“. Eine totale Fehleinschätzung der Lage, denn Lanz geht vielen auch konservativen Geistern nicht erst seit gestern gehörig gegen den Strich. Er steht nicht wegen der Linken in der Kritik, und es sind nicht die Linken die vermehrt abschalten wenn er in Wetten dass versucht Entertainer zu sein, was er beim besten Willen nicht ist. Aber alleine der erste Satz Jörges‘ offenbart worum es an jenem Talkabend tatsächlich ging, nämlich die Stigmatisierung der Linken als Partei und Wagenknecht als Person. Das ist ja nun nicht so neu. Und weil das in der Talksendung nicht so recht funktionierte dreht man das Ruder rum und packt nun die über 150.000 Unterstützer in den Sack der Linken und schickt sie mit dem Etikett des Shitstorms auf die Reise. Schließlich darf man sein Ziel nicht aus den Augen verlieren.

Das ist peinlich. Hochnotpeinlich, denn der shitstorm ist und war die Sendung selbst. Der Shitstorm ist, was Medienvertreter täglich über die Republik kübeln. Der Shitstorm ist, dass diese ganze Sachlage nun von Jörges als Person und dem Stern als Publikative inszeniert wird um die tatsächlich einzige Opposition im Land zu stigmatisieren. Aber geht es bei der Petition um Politik? Sicher nicht. Ganz unpolitisch ist Lanz einfach nur unerträglich, und Maren Müller hat mit ihrer Petition einfach einen Nerv getroffen. Jörges versucht zu verkaufen und verliert sich in Verschwörungstheorien.

Und nur dass keine Mißverständnisse aufkommen: Ich mag Sarah Wagenknecht nicht besonders, und ich mag auch die Linke nicht besonders. Aber es war mal ein hohes Gut dieses Landes andere Meinungen zu akzeptieren. Das ist lange vorbei, es gibt nur noch alternativlos.

2 Antworten auf „Wenn der Jörges mit der Lanze“

  1. Was sagte heute der Geschäftsführer vom Grimme-Institut durch die Blume im WDR? Der Pöbel ist eh zu dumm zur Beurteilung der lanzschen Diskussionsqualität.

    Außerdem könne man per Fernbedienung abstimmen, auch wenn das Öffentlich-Rechtliche nichts auf die Quote gäbe.

    Danke für den Beitrag, lassen wir jetzt wieder Armin schreiben.

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